§ 1923 BGB – Erbfähigkeit

(1) Erbe kann nur werden, wer zur Zeit des Erbfalls lebt.

(2) Wer zur Zeit des Erbfalls noch nicht lebte, aber bereits gezeugt war, gilt als vor dem Erbfall geboren.

 

Erklärung:

In § 1923 BGB ist die Erbfähigkeit geregelt. Es wird definiert, wann eine Person fähig ist Erbe zu sein. Die Grundbedingung Erbe sein zu können, ist der Lebensfall. Im Zeitpunkt des Erbfalls (Zeitpunkt des Todes des Erblassers) muss der Erben am Leben sein. Es spielt dabei keine Rolle, wenn er z.B. nur Sekunden danach verstirbt. Dann ist er trotzdem Erbe geworden und seine Erben erben auch die erste Erbschaft.

Ein zum Zeitpunkt des Erbfalls Verschollener ist ebenfalls erbfähig. Für ihn gilt die Lebensvermutung nach § 10 VerschG.

Eine Ausnahme vom Lebensfall ist in § 1923 Abs. 2 BGB geregelt. Wenn im Zeitpunkt des Erbfalls eine Person bereits gezeugt war, gilt diese als bereits vor dem Erbfall geboren und kann so Erbe werden (rückwirkende Erbfähigkeit). Das Kind muss aber lebend geboren sein bzw. im Extremfall mindestens kurz gelebt haben. Bei einer Todgeburt oder eines Versterbens des Kindes zusammen mit der Mutter im Mutterleib, ist das Kind kein Erben geworden.

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