Anfechtung eines Testaments

Die Anfechtung eines Testaments soll bewirken, dass ein bestehendes Testament rückwirkend als von Anfang an nichtig anzusehen ist (sogenannte ex-tunc-Wirkung). Im Erbrecht sind die Gründe für eine wirksame Anfechtung des Testaments in § 2078 BGB (Anfechtung wegen Irrtums oder Drohung) und in § 2079 BGB (Anfechtung wegen Übergehung eines Pflichtteilsberechtigten) zu finden.

Dementsprechend sind die wichtigsten Gründe ein Testament anfechten zu können folgende:

Irrtum des Erblassers bei der Erstellung des Testaments
Eine Anfechtung eines Testaments kann erfolgreich sein, wenn sich der Erblasser bei der Errichtung des Testaments in einem Irrtum befand. Hierbei sind Inhaltsirrtum, Erklärungsirrtum und Motivirrtum denkbar.

Erblasser wurde bei der Erstellung des Testaments bedroht
Das Testament (genauer gesagt: jede letztwillige Verfügung) kann angefochten werden, wenn der Erblasser zu der Verfügung widerrechtlich durch Drohung genötigt worden ist, § 2078 ABs. 2 BGB.

Ein Pflichtteilsberechtiger wurde übergangen
Wenn durch das Testament ein Pflichtteilsberechtiger übergangen wurde, stellt dies einen Sonderfall des Motivirrtums dar. Gemäß § 2079 BGB kann das Testament angefochten werden, wenn der Erblasser einen zur Zeit des Erbfalls vorhandenen Pflichtteilsberechtigten übergangen hat, dessen Vorhandensein ihm bei der Errichtung der Verfügung nicht bekannt war oder der erst nach der Errichtung geboren oder pflichtteilsberechtigt geworden ist. Die Anfechtung ist aber ausgeschlossen, soweit anzunehmen ist, dass der Erblasser auch bei Kenntnis der Sachlage die Verfügung getroffen haben würde.

Anfechtungsberechtigter
Anfechtungsberechtigt ist allerdings nicht jeder! Gemäß § 2080 BGB ist nur die Person zur Anfechtung berechtigt, der die Anfechtung des Testaments oder des Erbvertrages unmittelbar zugute kommt. Anfechtungsberechtigt sind daher hauptsächlich die gesetzlichen Erben und Ersatzerben. Vorerben sind anfechtungsberechtigt, wenn gegen die Nacherbeinsetzung angefochten werden soll.

Anfechtungsfrist
Die Anfechtungsfrist des Testaments richtet sich nach § 2082 BGB. Die Anfechtung kann nur binnen Jahresfrist erfolgen. Die Anfechtungsfrist beginnt mit dem Zeitpunkt, in welchem der Anfechtungsberechtigte von dem Anfechtungsgrund Kenntnis erlangt. Die Anfechtung ist ausgeschlossen, wenn seit dem Erbfall dreißig Jahre verstrichen sind.

Die Testamentsanfechtung muss gegenüber dem Nachlassgericht erklärt werden um wirksam zu werden.

Rechtsfolge Anfechtung eines Testaments
Die Rechtsfolge der wirksamen Anfechtung eines Testaments ist, dass das Testament als von Anfang an nichtig anzusehen ist. Dies muss sich allerdings nicht auf alle Teile des Testaments auswirken. In § 2085 BGB (Teilweise Unwirksamkeit) heisst es dazu: „Die Unwirksamkeit einer von mehreren in einem Testament enthaltenen Verfügungen hat die Unwirksamkeit der übrigen Verfügungen nur zur Folge, wenn anzunehmen ist, dass der Erblasser diese ohne die unwirksame Verfügung nicht getroffen haben würde.“

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