Die wichtigsten Teile eines Testaments müssen handschriftlich geschrieben worden sein

Der Erblasser hat drei Söhne, wobei zwei von ihnen aus erster Ehe und der Dritte aus zweiter Ehe stammen. An den Sohn aus zweiter Ehe adressierte der Erblasser ein Schriftstück mit der Überschrift „dieses Schriftstück ist auch gleichzeitig Testament“. Dieses bestand aus zwei Teilen.
 
Der erste Teil war maschinell angefertigt und anschließend mit Datumsangabe handschriftlich unterschrieben. Darin waren sowohl Informationen über die Art der Beerdigung, als auch über seine Konten enthalten. Er teilte hierin ebenfalls mit, dass für seinen Sohn bei der Bank Vollmachten über diese Konten hinterlegt werden und diese nach seinem Ableben an seinen Sohn übergehen sollen.
 
Der zweite Teil des Schriftstückes wurde handschriftlich verfasst und enthielt lediglich eine Erklärung darüber, dass der Erblasser zwar wisse, dass ein Testament stets handschriftlich verfasst werden müsse, er dies aufgrund der besseren Lesbarkeit aber lieber maschinell angefertigt habe. Er erklärte, dass er den handschriftlichen Teil nur darunter gesetzt habe, um eventuell später notwendige Schriftvergleiche zu ermöglichen. Diesen Teil unterschrieb er erneut eigenhändig und notierte neben seiner Unterschrift Informationen über Namen und Adresse des Testamentsempfängers. Nach dem Tod des Erblassers entstand ein Streit über die Wirksamkeit des Schriftstückes als Testament.
 
Nach § 2247 Abs. 1 BGB muss ein Testament handschriftlich verfasst werden. Der erste, maschinell geschriebene Teil des Schriftstückes, verstößt damit gegen die Formvorschrift des § 2247 Abs. 1 BGB

Die Frage, welche sich in diesem besonderen Fall stellte war, ob der zweite, handschriftliche Teil, welcher sich auf den maschinellen beruft, doch ausnahmsweise zur Wirksamkeit des ganzen Testaments führen kann.

Das Gericht entschied, dass man zwar grundsätzlich zur Auslegung des testamentarischen Willens auch äußere Umstände heranziehen kann. Jedoch ist Voraussetzung dafür, dass zumindest in dem handschriftlichen Teil die wichtigsten inhaltlichen Aussagen über die Erbeinsetzung erkennbar sind.

Hier konnte aus dem handschriftlichen Teil allein betrachtet gar keine Aussage bezüglich der Erbeinsetzung entnommen werden, sodass der maschinelle Teil auch nicht zur Willensauslegung des Erblassers benutzt werden durfte. Es genügt in einem solchen Fall laut dem Gericht auch nicht, wenn der Erblasser offensichtlich versucht, durch den handschriftlichen Teil die komplette Formwirksamkeit herbeizuführen.

Das Testament genügt nicht der Formvorschrift des § 2247 Abs. 1 BGB und ist daher unwirksam.

Urteil 15 W 414/05 OLG Hamm vom 10.01.06