Ein gemeinschaftliches Testament kann auch aus zwei verschiedenen Schriftstücken bestehen

Die Erblasserin ist verheiratet und hat eine Tochter. Die Tochter verstarb bereits 1962. Ein enger Freund der Tochter hatte bis zum Tod der Erblasserin mit dieser noch sehr engen Kontakt. Die Erblasserin selbst verstarb am 25.01.2006 im Alter von 90 Jahren.

Es existiert ein eigenhändiges Testament vom 28.10.1995 in welchem der Freund der Tochter als Erbe für die Wertpapiere eingesetzt wurde.

Zusätzlich zu diesem bestehen zwei Schriftstücke,von denen nur noch die Kopien aufzufinden sind. Dabei handelt es sich um zwei Testamente, in denen jeweils einer der Ehegatten den anderen als Erben einsetzt. Diese beiden Kopien sind datiert auf den 29.01.1983.

Es existieren außerdem zwei Nachträge, die sich auf die Testamente vom 29.01.1983 beziehen. Ein Nachtrag ist datiert auf den 23.02.1984 und setzt für den Fall, dass den Eheleuten gemeinsam etwas zustoßen sollte, einen Dritten zum Erben ein. Der zweite Nachtrag schließt sowohl die Nichte, als auch zwei Brüder des Ehemanns als Erben aus.

Der Nachlasswert beträgt ca. 400.000 Euro. Dazu zählen die Hälfte des gemeinsamen Grundstücks und die Wertpapiere der Erblasserin.
 
Der Ehemann der Verstorbenen und der Freund der Tochter stritten anschließend darüber, wer nach den Testamenten Alleinerbe sei. Entscheidend dafür ist die Frage, ob die Ehegatten  durch die beiden Schriftstücke vom 29.01.1983 ein gemeinschaftliches Testament errichtet haben.
 
Das OLG München entschied, dass ein gemeinschaftliches Testament der Eheleute vorliegt. Grundsätzlich soll ein solches Testament, indem sich beide Ehegatten zum Erben einsetzen, aus nur einem Schriftstück bestehen. In diesem Fall existierten aber zwei  Schriftstücke, die sich dem Wortlaut nach nicht explizit auf das andere bezogen. Allerdings sprächen die äußeren Umstände stark dafür, dass die Ehegatten sich im Wege eines gemeinschaftlichen Testaments zu gegenseitigen Erben einsetzen wollten. Die beiden Schriftstücke sind dem Wortlaut nach identisch und wurden am selben Tag errichtet.

Außerdem bezogen sich die beiden Zusätze „auf das Testament vom 29.01.1983“, was zu der Vermutung führe, dass die Ehegatten ein gemeinschaftliches Testament errichten wollten.

Ein solches Testament kann man nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen widerrufen. Das sei hier nicht geschehen. Daher ist das Testament vom 28.10.1995, welches den Freund der Tochter begünstigt, unwirksam. Der Ehegatte der Erblasserin sei deshalb Alleinerbe aus dem Testament vom 29.01.1983.

Urteil 31 Wx 034/08, 31 Wx OLG München vom 23.07.2008