Ein Schriftstück, welches zum Teil aus handschriftlichen Worten und zum Teil aus Pfeildiagrammen besteht, erfüllt nicht das Formerfordernis eines wirksamen Testaments.

Die Ehefrau des Erblassers beantragte einen Erbschein, der sie als Alleinerbin nach gesetzlicher Erbfolge ausweisen soll. Zwei entfernte Verwandte des Erblassers wendeten dagegen ein, es gäbe ein Testament vom 07.03.2007 welches dagegen spräche. Gemeint war ein Schriftstück, welches  zum Teil aus handschriftlichen Worten und zum Teil aus Pfeildiagrammen besteht, die die Erbeinsetzung regeln sollen. Es ist eigenhändig unterschrieben worden.
 
Nachdem das Nachlassgericht mittels eines Gutachters die Echtheit des Schriftstückes untersucht hatte, kam es zu dem Schluss, dass es eigenhändig vom Erblasser stammt. Es wies daher am 27.07.2011 den Erbscheinsantrag der Ehefrau zurück, da aufgrund des Vorliegens eines formwirksamen Testaments keine gesetzliche Erbfolge gelte. Gegen diese Entscheidung legte die Ehefrau Beschwerde ein.
 
Das Gericht entschied, dass die Beschwerde begründet ist, da es sich bei dem Schriftstück vom 07.03.2007 in Wirklichkeit nicht um ein formgültiges Testament handelt. Ein Testament ist nur wirksam, wenn es sich um eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung handelt. Der Grund dafür ist zum einen, dass der wirkliche Wille des Erblassers ausreichend zum Ausdruck kommt. Zum anderen soll die Notwendigkeit der Schriftlichkeit den Erblasser zu einer gründlicheren Überlegung bezüglich seines letzten Willens zwingen. Aus diesem Grund muss bezüglich der Einhaltung der Form des Schriftstückes eine enge Auslegung angewandt werden. Es genügt nicht nur, dass das Schriftstück eigenhändig vom Erblasser niedergelegt wurde, es muss auch in einer ihm eigenen individuellen Handschrift errichtet worden sein.

Viele Teile des Schriftstücks vom 07.03.2007 sind Pfeildiagramme. Nur die wenigen Textpassagen, sowie die Unterschrift am Ende konnten vom Gutachter auf ihre Echtheit hin überprüft werden und stammen mit Sicherheit vom Erblasser. Zwar bestehe grundsätzlich kein Grund zur Annahme, dass die übrigen Teile des Schriftstückes (Diagramme) nicht ebenfalls vom Erblasser verfasst wurden; aufgrund der engen Auslegung des Formerfordernisses, kann es darauf aber nicht ankommen. Es fehlt bereits bezüglich der Diagramme an der Möglichkeit der Überprüfung der Echtheit. Auch können durch die Pfeile die wesentlichen Inhalte eines Testaments gar nicht zum Ausdruck kommen. Es kann daraus weder genau entnommen werden, welche Beziehung der Erblasser zu den Personen hatte, noch ob diese Erbschaften oder nur Vermächtnisse erhalten sollen. Aus diesem Grund ist in dem Schriftstück kein formwirksames Testament des Erblassers zu sehen.

Urteil 20 W 542/11 OLG Frankfurt am Main vom 11.02.2013