FAQ Erbunwürdigkeit

Unter welchen Umständen liegt Erbunwürdigkeit vor?

Lässt sich ein Erbe schwere Verfehlungen zu Schulde kommen, kann er damit sein Erbrecht verwirken.

Die Voraussetzungen für die Erbunwürdigkeit sind in den §§ 2339 ff. BGB geregelt. Nach dieser Vorschrift ist zunächst erbwürdig, wer den Erblasser vorsätzlich getötet oder dies versucht hat. Fahrlässige Tötung (§ 222 StGB) und Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB) begründen daher keine Erbunwürdigkeit.

Auch wer den Erblasser in einen Zustand versetzt, in welchem dieser bis zu seinem Tode nicht mehr in der Lage ist, ein Testament zu errichten, ist erbunwürdig.

Wird der Erblasser vorsätzlich oder durch Täuschung oder Drohung daran gehindert, ein Testament zu errichten oder aufzuheben, ist der Täter ebenfalls erbunwürdig. Dasselbe gilt, wenn eine Urkundenfälschung oder -unterdrückung am Testament begangen wurde.

Diese Regeln finden nicht nur auf Erbschaften, sondern auch auf Vermächtnisse und Pflichtteilsansprüche Anwendung, § 2345 BGB. In diesen Fällen muss jedoch keine Klage erhoben werden, eine formlose Anfechtungserklärung gegenüber den Vermächtnis- beziehungsweise Pflichtteilsberechtigten genügt.

Zu beachten ist, dass der Erblasser dem Erben seine Verfehlung verzeihen kann. Dadurch entfällt dessen Erbunwürdigkeit, § 2343 BGB. Das Vorliegen einer Verzeihung muss vor Gericht bewiesen werden.

* * *

Welche Rechtsfolgen hat die Erbunwürdigkeit?

Der unwürdige Erbe wird so behandelt, als sei er selbst bereits verstorben. Der Anteil des Erbes, den der Erbunwürdigen erhalten hätte, fällt den nächstberufenen Erben zu.

Die Abkömmlinge des Erbunwürdigen bleiben erbberechtigt. Ist ein Ehegatte erbunwürdig, behält er seine Ansprüche auf Zugewinnausgleich.

Entfällt der Pflichtteilsanspruch aufgrund einer Verfehlung des Berechtigten, besteht die Möglichkeit, dass weiter entfernte Pflichtteilsberechtigte einen Anspruch erhalten, der Ihnen zuvor nicht zustand.

* * *

Wie kann Erbunwürdigkeit geltend gemacht werden?

Die Erbunwürdigkeit tritt nicht automatisch ein. Sie muss mittels Klage gegen den Erben erfolgen. Statthafte Klageart ist die Anfechtungsklage, welche je nach Streitwert vor dem Amts- oder Landgericht erhoben werden muss.

Die Klage kann frühestens mit Eintritt des Erbfalls erhoben werden, da der Erblasser bis zu diesem Zeitpunkt noch verzeihen kann. Danach gilt ab Kenntnis des Grundes für die Erbunwürdigkeit eine einjährige Klagefrist.

Klageberechtigt ist jeder, der davon profitiert, dass der Erbunwürdige als Erbe ausscheidet. Dies kann eine Person sein, die durch den Wegfall des Erbunwürdigen in der Erbfolge aufrückt oder deren Erbteil sich dadurch vergrößert.

zurück zur FAQ Erbrecht