FAQ Erbverzicht

Was ist unter Erbverzicht zu verstehen?

Der Erbverzicht ist der Verzicht auf das gesetzliche Erbrecht. Er erfolgt durch Vertrag zwischen Erblasser und Erben und ist in den §§ 2364 ff. BGB geregelt.

Abzugrenzen ist der Erbverzicht von der Erbausschlagung. Unter letzterem ist die Erklärung des Erben zu verstehen, das Erbe nicht antreten zu wollen. Die Ausschlagung muss nach Eintritt des Erbfalls vor dem Nachlassgericht erklärt werden.

Der Erbverzicht muss weiterhin von einem Verzichtsvertrag unterschieden werden, den die Erben untereinander abschließen.

Um vor einem übereilten Erbverzicht zu schützen, muss der Vertrag notariell beglaubigt werden, § 2348 BGB. Ein stillschweigender Erbverzicht kann daher niemals angenommen werden.

Der Erbverzicht stellt für den Erblasser ein höchstpersönliches Rechtsgeschäft dar. Dieser darf sich also bei Vertragsschluss nicht vertreten lassen, wenn er nicht geschäftsunfähig ist, § 2347 BGB.

Der Erbverzichtsvertrag kann zu Lebzeiten von Erblasser und Erben nachträglich aufgehoben werden.

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Welche Rechtsfolgen hat der Erbverzicht?

Der verzichtende Erbe wird von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen und verliert seinen Anspruch auf den Pflichtteil, § 2346 BGB. Der Erbverzicht kann auch auf Teile des Erbes oder den Pflichtteil beschränkt werden.

Zu beachten ist, dass sich der Verzicht auf das Erbe auch auf alle Abkömmlinge des Verzichtenden erstreckt, wenn nichts abweichendes vereinbart wird, § 2349 BGB.

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Wann bietet sich der Erbverzicht an?

Der Erbverzicht wird häufig anlässlich einer vorweggenommenen Erbfolge vereinbart.

Der verzichtende Erbe erhält in diesem Fall noch zu Lebzeiten des Erblassers dessen Vermögen (oder einen Teil davon) und verzichtet im Gegenzug auf seine gesetzlichen Erbansprüche.

Durch einen vertraglichen Erbverzicht wird die völlige Testierfreiheit des Erblassers erreicht, die sonst durch Pflichtteilansprüche eingeschränkt ist.

So kann beispielsweise die Zerschlagung des Familienbetriebs verhindert werden, wenn dieser einem Erben alleine zufällt während ein anderer dafür eine Abfindung erhält. Erbstreitigkeiten können auf diese Weise noch zu Lebzeiten des Erblassers vermieden werden.

Auch wenn der Nachlass überschuldet ist, kann die Vereinbarung eines Erbverzichts ratsam sein.

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Welche Risiken bestehen?

Das Hauptrisiko bei einem Erbverzicht ist, dass sich die Vermögensverhältnisse des Erblassers nach Abschluss des Vertrages ändern. So kann sich eine im Gegenzug zum Erbverzicht vereinbarte Abfindung als zu niedrig erweisen, wenn sich das Vermögen des Erblasser nach Abschluss des Vertrages vergrößert.

Versäumen es Erblasser und Erbe, den Erbverzichtsvertrag zu Lebzeiten anzupassen, besteht für den Verzichtenden keine Möglichkeit mehr, einen Teil des Erbes zu erhalten.

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