Fragen zur Enterbung (FAQ)

Die Person, die vererbt (also der sogenannte Erblasser), kann jederzeit ihre gesetzlichen Erben von der Erbfolge ausschließen, also diese enterben.

Wie kann jemand enterbt werden?

Eine Person kann enterbt werden indem der Erblasser ein sogenanntes negatives Testament erstellt. Ein solches ist ein Testament, in dem direkt niedergeschrieben wird, dass eine bestimmte Person nicht Erbe werden soll.

Um jemanden zu enterben genügt es aber auch bereits, wenn der Erblasser testamentarisch ausschließlich anderen Personen etwas vererbt; der Enterbte muss dabei gar nicht namentlich genannt werden. Wenn der Erblasser beispielsweise 2 Söhne hat und testamentarisch einen davon als Alleinerben einsetzt, dann ist damit automatisch klar, dass er den anderen Sohn enterben will, ohne dass er das gesondert niederschreiben muss.

Ebenfalls kann dem gesetzlich vorgesehenen Erben, statt einer kompletten Enterbung, eine Minderung des gesetzlichen Erbteils auferlegt werden.

In all diesen Konstellationen müssen aber Pflichtteilsansprüche beachtet werden. Mehr dazu finden Sie hier.

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Was ist die Folge einer Enterbung?

Die Rechtsfolge der Enterbung ist der Ausschluss von der Vermögensnachfolge, d.h. der Enterbte wird nicht Erbe und erhält somit keinen Anspruch auf das Vermögen des Erblassers. An die Stelle des Enterbten treten in der Erbfolge dann meist deren Abkömmlinge, falls vorhanden. Zu beachten ist aber, ob der Enterbte, wie in vielen Fällen, trotz Enterbung einen Anspruch auf einem ihm zustehenden gesetzlichen Pflichtteil haben kann.

Wird ein Ehepartner oder ein eingetragener Lebenspartner enterbt, erstrecken sich dann dessen ursprüngliche Erbteile auf die direkten Angehörigen des Erblasser. Es scheint dann also erbrechtlich so, als wäre der Erblasser nie verheiratet gewesen. Auch hier müssen dann jedoch auch die Pflichtteilsansprüche beachtet werden.

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Hat der Enterbte trotzdem Ansprüche?

Der Enterbte nahe Angehörige behält im Normalfall immer seinen Pflichtteilsanspruch.

Bei enterbten Angehörigen beträgt der Pflichtteilsanspruch die Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs. Hat der Erblasser beispielsweise 2 Kinder und sonst keine Erben, so haben diese zwei Kinder einen Erbanspruch von jeweils 50 %. Dann würde ihr Pflichtteilsanspruch 25 % betragen.

Bei enterbten Ehepartnern kommt es zusätzlich darauf an, in welchem Güterstand die Eheleute zusammengelebt haben. Haben die Eheleute im Güterstand der Zugewinngemeinschaft zusammengelebt hat der überlebende Ehepartner zusätzlich zum Pflichtteilsanspruch einen Anspruch auf den Zugewinn.

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