Pflichtteil – Pflichtteilsanspruch, Pflichtteil des Ehepartners

Was ist der Pflichtteil?

Der Pflichtteil ist der Teil des Nachlasses, den nahe Angehörige auf jeden Fall erhalten, auch wenn sie testamentarisch enterbt wurden. Er dient dazu diese Angehörigen vor willkürlicher Enterbung zu schützen.

* * *

Wer hat einen Pflichtteilsanspruch und wie hoch ist dieser?

Einen Anspruch auf den Pflichtteil haben nur nahe Angehörige. Zu diesen gehören die Abkömmlinge, die Eltern und die Ehegatten bzw. die eingetragenen Lebenspartner des Erblassers. Die Höhe des Pflichtteils beträgt grundsätzlich die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Hat Bspw. der Erblasser nur zwei Kinder, so sind die gesetzlichen Erbteile jeweils 50 Prozent des Nachlasses. Soll eines der Kinder laut Testament aber nur den Pflichtteil bekommen, so erhält es nur 25 Prozent vom Nachlass.

* * *

Wie hoch ist der Pflichtteil des Ehepartners?

Der Pflichtteilsanspruch des Ehepartners berechnet sich grundsätzlich wie bei anderen nahen Angehörigen und beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Leben die Ehepartner im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, kann der überlebende Ehepartner zusätzlich zum Pflichtteilsanspruch auch noch seinen Zugewinn geltend machen. Beispiel:

Der Erblasser hinterlässt ein Kind und seinen Ehepartner, den er aber enterbt hat.

Da der Ehepartner enterbt wurde hat er nur seinen gesetzlichen Pflichtteilsanspruch der die Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs beträgt. Der gesetzliche Erbteil des Ehepartners neben dem Kind würde 1/4 betragen. Der Pflichtteilsanspruch ist daher 1/8.

Zu diesem 1/8 wird jetzt aber noch der Zugewinn hinzugerechnet. Unter Zugewinn versteht man den während der Ehe erzielten Vermögenszuwachs der Eheleute. Ist der Zugewinn bei einem Ehegatten höher als bei dem Anderen, so bekommt der finanziell schlechter gestellte die Hälfte der Differenz als Zugewinn gutgeschrieben. Beispiel:

Ehepartner 1 und Ehepartner 2 haben zu Beginn der Ehe beide ein Vermögen von 0 Euro. Am Ende der Ehe beträgt das Vermögen von Ehepartner 1 30.000 Euro und das von Ehepartner 2 immer noch 0 Euro. Ehepartner 2 hat jetzt einen Ausgleichsanspruch in Höhe von 15.000 Euro (die Hälfte des Gewinns von Ehepartner 1).

Durch dieses Zugewinnanspruch kann es passieren, dass der Pflichtteilsanspruch des überlebenden Ehepartners für ihn finanziell günstiger ist, als wenn er seinen gesetzlichen Erbteil bekommen würde. Diese Tatsache gibt dem überlebenden Ehepartner, welcher nicht enterbt wurde, ein Wahlrecht. Der Ehepartner, dem gesetzlich ein Erbanspruch zusteht, soll nicht schlechter gestellt werden als der enterbte Ehepartner. Daher kann er entscheiden, ob er das Erbe ausschlägt und somit seinen Pflichtteilsanspruch erhält oder ob er das Erbe annimmt.

Lesen Sie hier Fragen zum Pflichtteil (FAQ) – Teil 2