Testamentsauslegung

Für die Testamentsauslegung kommt es auf den tatsächlichen oder hypothetischen Willen des Erblassers zum Zeitpunkt der Errichtung des Testaments an.

Unklarheiten über den Willen des Erblassers entstehen häufig dadurch, dass dieser unter Verwendung von laienhaften oder mehrdeutigen Begriffen ein eigenhändiges Testament (§ 2247 BGB) verfasst, statt sich bei der Erstellung eines öffentlichen Testaments (§ 2232 BGB) von einem Notar beraten zu lassen.

Bei einer Testamentsauslegung muss sich zunächst am Wortlaut orientiert werden. Ist dieser unergiebig, muss eine erläuternde Auslegung vorgenommen werden, § 133 BGB. Dabei sind auch außerhalb des Testaments liegende Umstände zu heranzuziehen, also beispielsweise allgemeine Erfahrungssätze sowie Äußerungen und Gepflogenheiten des Erblassers.

Durch die erläuternde Auslegung kann sich ein vom Wortlaut abweichender letzter Wille ergeben. Der ermittelte Wille des Erblassers muss jedoch zumindest andeutungsweise im Testament enthalten sein.

Neben diesen allgemeinen Auslegungsmethoden existieren spezielle erbrechtliche Auslegungsregeln, durch welche ungenaue Angaben präzisiert werden sollen, §§ 2066 – 2076 BGB. Hat der Erblasser beispielsweise „die Armen“ bedacht, ist im Zweifel anzunehmen, dass die öffentliche Armenkasse der Gemeinde, in der der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte, gemeint ist, § 2072 BGB.

Schließlich ist eine letztwillige Verfügung so auszulegen, dass ihre Wirksamkeit gewährleistet ist, § 2084 BGB.

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